Krankentagegeld freiwillig gesetzlich versichert

Jens Rusteberg
Fachlicher Ratgeber von unserem ACIO-Experten

MBA & Gesellschafter-Geschäftsführer

Veröffentlicht am 16.10.2026
Krankentagegeld freiwillig gesetzlich versichert

Bildquelle: KI Generiert

Du verdienst gut und bist freiwillig in der gesetzlichen Krankenversicherung geblieben? Dann solltest du zwei Grenzen kennen: Die Versicherungspflichtgrenze entscheidet über deinen Versicherungsstatus – die deutlich niedrigere Beitragsbemessungsgrenze begrenzt dagegen dein gesetzliches Krankengeld. Genau dadurch kann bei längerer Krankheit eine überraschend große Einkommenslücke entstehen.

Gutverdiener und freiwillig gesetzlich versichert: Wo ist das Problem?

Du verdienst 7.000, 8.000 Euro oder noch mehr im Monat und bist trotzdem freiwillig in der gesetzlichen Krankenversicherung geblieben?

Das kann eine völlig bewusste Entscheidung sein.

Nur solltest du nicht davon ausgehen, dass dein gesetzliches Krankengeld im Fall einer längeren Arbeitsunfähigkeit automatisch zu deinem hohen Einkommen passt.

Denn beim Krankengeld gibt es eine entscheidende Grenze.

Und die liegt deutlich niedriger als die Einkommensgrenze, die darüber entscheidet, ob du überhaupt freiwillig gesetzlich versichert sein kannst.

Genau hier entsteht für Gutverdiener eine Versorgungslücke, die häufig erst auffällt, wenn die sechswöchige Lohnfortzahlung des Arbeitgebers endet.

Zwei Grenzen, die du nicht verwechseln solltest

Wenn du als Arbeitnehmer gut verdienst, begegnen dir zwei Begriffe besonders häufig:

  • Jahresarbeitsentgeltgrenze oder Versicherungspflichtgrenze
  • Beitragsbemessungsgrenze

Sie klingen ähnlich, haben aber völlig unterschiedliche Aufgaben.

Versicherungspflichtgrenze 2026: 77.400 Euro

Die allgemeine Jahresarbeitsentgeltgrenze liegt 2026 bei 77.400 Euro jährlich.

Das entspricht rechnerisch 6.450 Euro monatlich bei zwölf gleich hohen Monatsgehältern.

Wer mit seinem regelmäßigen Jahresarbeitsentgelt oberhalb der maßgeblichen Grenze liegt und die weiteren Voraussetzungen erfüllt, ist nicht mehr automatisch versicherungspflichtig in der gesetzlichen Krankenversicherung.

Du kannst dann grundsätzlich in die private Krankenversicherung wechseln oder freiwillig Mitglied deiner gesetzlichen Krankenkasse bleiben.

Viele gut verdienende Arbeitnehmer entscheiden sich bewusst für die zweite Möglichkeit.

Bis hierhin ist alles in Ordnung.

Interessant wird es erst, wenn du länger krank wirst.

Beitragsbemessungsgrenze 2026: nur 5.812,50 Euro monatlich

Die Beitragsbemessungsgrenze der gesetzlichen Krankenversicherung liegt 2026 bei lediglich 5.812,50 Euro monatlich beziehungsweise 69.750 Euro jährlich.

Einkommen oberhalb dieser Grenze erhöht deinen Krankenversicherungsbeitrag nicht weiter.

Das klingt zunächst angenehm.

Es hat aber eine zweite Seite.

Denn auch das gesetzliche Krankengeld kann nicht unbegrenzt mit deinem tatsächlichen Einkommen steigen.

Genau deshalb ist die Beitragsbemessungsgrenze für freiwillig gesetzlich versicherte Gutverdiener so wichtig.

8.000 Euro Gehalt, aber Krankengeld nur bis zur gesetzlichen Grenze

Nehmen wir einen Arbeitnehmer mit einem Bruttogehalt von 8.000 Euro monatlich.

Sein Einkommen liegt deutlich oberhalb der Versicherungspflichtgrenze. Er kann also grundsätzlich freiwillig gesetzlich versichert bleiben.

Für die Krankenversicherung liegt sein Einkommen aber gleichzeitig 2.187,50 Euro über der Beitragsbemessungsgrenze von 5.812,50 Euro.

Dieser zusätzliche Verdienst führt nicht dazu, dass sein gesetzliches Krankengeld entsprechend weiter steigt.

Das Krankengeld wird grundsätzlich nach folgenden Regeln berechnet:

  • 70 Prozent des regelmäßigen Bruttoarbeitsentgelts
  • höchstens 90 Prozent des Nettoarbeitsentgelts
  • zusätzlich begrenzt durch den gesetzlichen Krankengeld Höchstbetrag

2026 liegt das maximale Krankengeld bei 135,63 Euro pro Kalendertag vor den Sozialversicherungsabzügen.

Von diesem Betrag werden gegebenenfalls noch Beiträge zur Rentenversicherung, Arbeitslosenversicherung und Pflegeversicherung abgezogen.

Dein tatsächlicher Zahlbetrag liegt also noch darunter.

Je höher dein Einkommen, desto interessanter wird die Lücke

Schauen wir nur auf die Beitragsbemessungsgrenze, wird das Problem schnell sichtbar:

Monatliches BruttogehaltEinkommen oberhalb der BBG 2026
6.450 €637,50 €
7.000 €1.187,50 €
8.000 €2.187,50 €
10.000 €4.187,50 €

Dieses Einkommen ist natürlich nicht einfach „weg“.

Aber es erhöht die Berechnungsgrundlage des gesetzlichen Krankengeldes nicht unbegrenzt weiter.

Mit steigendem Gehalt wächst deshalb potenziell der Abstand zwischen deinem gewohnten verfügbaren Einkommen und der gesetzlichen Leistung im Krankheitsfall.

Genau deshalb ist eine Krankentagegeldversicherung für Angestellte gerade bei höheren Einkommen einen genaueren Blick wert.

Freiwillig gesetzlich versichert bedeutet nicht schlecht abgesichert

Mir ist dabei ein Punkt wichtig.

Die freiwillige gesetzliche Krankenversicherung ist nicht automatisch eine schlechte Entscheidung.

Darum geht es hier überhaupt nicht.

Auch geht es nicht um die alte Diskussion „GKV oder PKV – was ist besser?“.

Es geht um etwas viel Konkreteres:

Passt die Einkommensabsicherung bei längerer Krankheit zu deinem tatsächlichen Einkommen?

Und diese Frage solltest du unabhängig davon beantworten, ob du bewusst freiwillig in der GKV geblieben bist.

Denn deine monatlichen Verpflichtungen orientieren sich normalerweise nicht an der Beitragsbemessungsgrenze.

Deine Baufinanzierung kennt keine Beitragsbemessungsgrenze.

Deine Miete auch nicht.

Und weder Altersvorsorge noch Auto, Familie oder laufende Kredite werden automatisch günstiger, nur weil dein Arbeitgeber nach sechs Wochen kein Gehalt mehr zahlt.

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Ab wann bekommst du als Arbeitnehmer Krankengeld?

Als Arbeitnehmer erhältst du bei Arbeitsunfähigkeit normalerweise zunächst bis zu sechs Wochen Entgeltfortzahlung durch deinen Arbeitgeber.

Danach beginnt regelmäßig der Anspruch auf gesetzliches Krankengeld.

Das ist der Grund, warum privates Krankentagegeld für gesetzlich versicherte Arbeitnehmer häufig ab dem 43. Tag vereinbart wird.

Das private Krankentagegeld soll dabei nicht dein gesetzliches Krankengeld ersetzen.

Es ergänzt es.

Ziel ist, die verbleibende Einkommenslücke möglichst passend zu deinem tatsächlichen Bedarf abzusichern.

Wie das Zusammenspiel aus Lohnfortzahlung, gesetzlichem Krankengeld und privatem Krankentagegeld funktioniert, erklären wir ausführlicher auf unserer Seite zum Krankentagegeld für Angestellte.

Wie viel privates Krankentagegeld brauchst du?

Hier würde ich nicht mit pauschalen Aussagen wie „Du brauchst 30 Prozent deines Nettogehalts“ arbeiten.

Das ist mir zu ungenau.

Entscheidend sind deine tatsächlichen Zahlen:

  1. Wie hoch ist dein regelmäßiges Nettoeinkommen?
  2. Wie hoch wäre dein gesetzliches Krankengeld?
  3. Welche Sozialversicherungsbeiträge werden davon noch abgezogen?
  4. Gibt es einen Krankengeldzuschuss deines Arbeitgebers?
  5. Welche anderen Leistungen bestehen bereits?
  6. Wie groß ist danach deine tatsächliche monatliche Einkommenslücke?

Erst daraus ergibt sich ein sinnvoller privater Tagessatz.

Die einfache Grundidee lautet:

monatliche Einkommenslücke ÷ 30 = ungefähr benötigtes Krankentagegeld pro Tag

Der tatsächlich versicherbare Betrag hängt allerdings vom nachweisbaren Einkommen, bereits bestehenden Absicherungen und den Bedingungen des jeweiligen Tarifs ab.

Eine Überversicherung soll vermieden werden.

Arbeitgeberzuschuss zum Krankengeld nicht vergessen

Bei Gutverdienern lohnt sich außerdem ein Blick in den Arbeitsvertrag oder Tarifvertrag.

Einige Arbeitgeber zahlen nach Ende der gesetzlichen Entgeltfortzahlung zusätzlich zum Krankengeld einen Krankengeldzuschuss.

Wenn du einen solchen Anspruch hast, reduziert dieser deine tatsächliche Versorgungslücke.

Deshalb sollte ein privates Krankentagegeld nicht einfach anhand des Bruttogehalts geschätzt werden.

Eine saubere Bedarfsermittlung betrachtet immer die gesamte Situation.

Warum du die Absicherung nicht erst bei Krankheit prüfen solltest

Ein Punkt wird gerne aufgeschoben.

Eine klassische private Krankentagegeldversicherung wird in der Regel nicht erst abgeschlossen, wenn eine längere Erkrankung bereits begonnen hat.

Versicherer prüfen bei vielen Tarifen vor Vertragsabschluss den Gesundheitszustand.

Bestehen bereits Erkrankungen, laufende Behandlungen oder wiederkehrende Beschwerden, kann die Auswahl später eingeschränkt sein.

Deshalb ist der sinnvollere Zeitpunkt für die Prüfung meistens dann, wenn gesundheitlich noch alles ruhig ist.

Auf unserem Krankentagegeld Tarifvergleich kannst du unterschiedliche Tarife und Bedingungen gegenüberstellen.

Grundlegende Fragen zu Gesundheitsprüfung, Arbeitsunfähigkeit, Wiedereingliederung, Karenzzeiten und Anpassungsmöglichkeiten findest du zusätzlich in unserem Ratgeber zur Krankentagegeldversicherung.

2027 steigen beide Grenzen deutlich

Die Unterschiede zwischen Versicherungspflichtgrenze und Beitragsbemessungsgrenze bleiben auch 2027 relevant.

Das Bundeskabinett hat am 7. Oktober 2026 die neuen Sozialversicherungsrechengrößen beschlossen.

Danach sollen ab 2027 gelten:

  • Jahresarbeitsentgeltgrenze: 84.150 Euro jährlich beziehungsweise 7.012,50 Euro monatlich
  • Beitragsbemessungsgrenze Krankenversicherung: 76.500 Euro jährlich beziehungsweise 6.375 Euro monatlich

Die Verordnung benötigt noch die Zustimmung des Bundesrats.

Damit steigt zwar auch die mögliche Berechnungsbasis für das Krankengeld.

Für Arbeitnehmer mit Einkommen deutlich darüber bleibt das Grundproblem aber bestehen:

Das Einkommen kann weiter steigen – das gesetzliche Krankengeld nur bis zu seiner gesetzlichen Grenze.

Mein Fazit: Hoher Verdienst braucht eine andere Rechnung

Wenn du freiwillig gesetzlich versichert bist, hast du dich möglicherweise ganz bewusst gegen einen Wechsel in die private Krankenversicherung entschieden.

Das ist auch nicht das Problem.

Du solltest nur wissen, dass dein Krankenversicherungsschutz und deine Einkommensabsicherung zwei unterschiedliche Dinge sind.

Bei 7.000, 8.000 oder 10.000 Euro Monatsgehalt kann dein Lebensstandard deutlich oberhalb dessen liegen, was das gesetzliche Krankengeld nach sechs Wochen Krankheit auffängt.

Deshalb würde ich bei einem höheren Einkommen nicht einfach fragen:

„Bekomme ich Krankengeld?“

Die bessere Frage lautet:

„Wie viel fehlt mir nach sechs Wochen tatsächlich?“

Genau diese Lücke kannst du anschließend gezielt über eine Krankentagegeldversicherung für Angestellte absichern.