Wie viel Krankentagegeld brauche ich als Angestellter?
Thomas Hofstetter
Versicherungsfachmann (IHK) und Experte für Zusatzversicherungen
Veröffentlicht am 21.10.2026
Bildquelle: KI Generiert
20, 30 oder 50 Euro Krankentagegeld am Tag? Als Angestellter solltest du den Tagessatz nicht schätzen. Entscheidend ist die tatsächliche Differenz zwischen deinem bisherigen Nettoeinkommen und dem Geld, das dir nach sechs Wochen Krankheit noch zur Verfügung steht.
20, 30 oder 50 Euro am Tag? Bitte nicht raten
Wenn mich jemand fragt, wie viel Krankentagegeld er als Angestellter braucht, könnte ich natürlich eine schöne Faustformel nennen.
20 Euro am Tag.
30 Euro am Tag.
Oder irgendeinen Prozentsatz vom Gehalt.
Das wäre einfach.
Aber eben nicht besonders gut.
Denn der richtige Tagessatz hängt nicht davon ab, was andere Arbeitnehmer versichert haben. Entscheidend ist, wie viel Geld dir persönlich nach sechs Wochen Krankheit tatsächlich fehlt.
Und genau diese Zahl lässt sich berechnen.
Zuerst musst du wissen, was nach sechs Wochen passiert
Als Arbeitnehmer bekommst du bei einer krankheitsbedingten Arbeitsunfähigkeit grundsätzlich zunächst bis zu sechs Wochen dein Arbeitsentgelt vom Arbeitgeber weitergezahlt.
Bei gesetzlich versicherten Arbeitnehmern folgt danach das Krankengeld der gesetzlichen Krankenkasse.
Das beträgt grundsätzlich:
- 70 Prozent des regelmäßigen Bruttoarbeitsentgelts
- höchstens 90 Prozent des Nettoarbeitsentgelts
- maximal bis zur gesetzlichen Krankengeld Höchstgrenze
2026 werden dabei höchstens 5.812,50 Euro monatliches Einkommen berücksichtigt.
Das maximale gesetzliche Krankengeld liegt dadurch 2026 bei 135,63 Euro pro Kalendertag vor den Sozialversicherungsabzügen.
Von deinem Krankengeld werden nämlich noch Beiträge zur Rentenversicherung, Arbeitslosenversicherung und Pflegeversicherung abgezogen.
Deshalb solltest du bei deiner Berechnung nicht einfach 70 Prozent deines Bruttogehalts nehmen.
Entscheidend ist das Geld, das dir tatsächlich ausgezahlt wird.
Die wichtigste Rechnung für dein Krankentagegeld
Für einen gesetzlich versicherten Angestellten lässt sich die Grundidee ziemlich einfach zusammenfassen:
bisheriges Nettoeinkommen
minus tatsächlich ausgezahltes Krankengeld
minus weitere Leistungen
= monatliche Einkommenslücke
Diese monatliche Lücke teilst du anschließend durch 30.
Damit erhältst du einen ersten Anhaltspunkt für den benötigten täglichen Krankentagegeldsatz.
Das ist die Zahl, mit der du weiterarbeiten solltest.
Nicht dein Bruttogehalt.
Nicht irgendeine pauschale Prozentzahl.
Und auch nicht der Tagessatz deines Kollegen.
Ein einfaches Beispiel
Nehmen wir an, du hast vor deiner Erkrankung monatlich 3.200 Euro netto zur Verfügung.
Nach sechs Wochen Krankheit bekommst du nach allen Abzügen noch ungefähr 2.500 Euro Krankengeld ausgezahlt.
Weitere Leistungen gibt es nicht.
Dann sieht deine Rechnung so aus:
| Position | Betrag |
|---|---|
| bisheriges Nettoeinkommen | 3.200 € |
| ausgezahltes Krankengeld | 2.500 € |
| verbleibende Lücke | 700 € |
Diese 700 Euro teilst du durch 30:
700 Euro ÷ 30 = rund 23,33 Euro
Dein rechnerischer Bedarf liegt damit ungefähr bei 23 Euro Krankentagegeld pro Tag.
Je nachdem, welche Tagessätze der gewählte Tarif zulässt und welcher Betrag tatsächlich versicherbar ist, muss die konkrete Gestaltung anschließend angepasst werden.
Aber du kennst jetzt zumindest die entscheidende Größenordnung.
20 Euro Krankentagegeld können reichen – oder viel zu wenig sein
Genau deshalb halte ich Aussagen wie „Für Angestellte reichen 20 Euro Krankentagegeld“ für wenig hilfreich.
20 Euro Krankentagegeld bedeuten:
20 Euro × 30 Tage = 600 Euro monatlich
Fehlen dir tatsächlich 550 Euro, kann das ausreichen.
Fehlen dir dagegen 900 Euro, bleiben trotz Krankentagegeld noch 300 Euro monatlich offen.
Bei 1.200 Euro Einkommenslücke wäre die Unterdeckung noch größer.
Du siehst:
Die Frage lautet nicht:
„Wie viel Krankentagegeld nimmt man normalerweise?“
Sondern:
„Wie groß ist meine persönliche Einkommenslücke?“
Auf unserer Seite zur Krankentagegeldversicherung für Angestellte kannst du genau diese Lücke berechnen und anschließend passende Absicherungsmöglichkeiten vergleichen.
Warum Gutverdiener genauer rechnen sollten
Mit steigendem Einkommen wird die Bedarfsermittlung besonders wichtig.
Denn das gesetzliche Krankengeld wächst nicht unbegrenzt mit deinem Gehalt.
2026 liegt die Beitragsbemessungsgrenze der gesetzlichen Krankenversicherung bei 5.812,50 Euro monatlich.
Verdienst du beispielsweise 7.000, 8.000 oder 10.000 Euro brutto, steigt dein gesetzliches Krankengeld oberhalb der gesetzlichen Grenze nicht entsprechend mit deinem tatsächlichen Einkommen weiter.
Dein Lebensstandard möglicherweise schon.
Genau deshalb kann die Einkommenslücke bei Gutverdienern deutlich größer ausfallen.
Für freiwillig gesetzlich versicherte Arbeitnehmer mit höherem Einkommen ist die individuelle Berechnung deshalb besonders wichtig.
Was kosten mich 600 EUR zusätzliches Krankentagegeld pro Monat?
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Nicht das Brutto absichern, sondern die tatsächliche Lücke
Ein häufiger Denkfehler lautet:
„Ich verdiene 5.000 Euro brutto. Wie viel davon muss ich versichern?“
So würde ich nicht rechnen.
Das private Krankentagegeld soll nicht dein komplettes Bruttogehalt ersetzen.
Bei gesetzlich versicherten Arbeitnehmern besteht nach sechs Wochen bereits ein Anspruch auf gesetzliches Krankengeld.
Das private Krankentagegeld ergänzt die verbleibende Differenz.
Deshalb interessiert uns vor allem:
- dein tatsächliches Nettoeinkommen vor der Krankheit
- das tatsächlich ausgezahlte gesetzliche Krankengeld
- weitere Leistungen während der Arbeitsunfähigkeit
- die danach verbleibende Differenz
Erst daraus ergibt sich dein Bedarf.
Hast du einen Krankengeldzuschuss vom Arbeitgeber?
Diesen Punkt solltest du unbedingt prüfen.
Einige Arbeitgeber zahlen nach dem Ende der gesetzlichen Entgeltfortzahlung zusätzlich zum Krankengeld noch einen Zuschuss.
Das kann beispielsweise durch einen Tarifvertrag, Arbeitsvertrag oder eine betriebliche Regelung vorgesehen sein.
Bekommst du einen solchen Zuschuss, reduziert er deine tatsächliche Einkommenslücke.
Beispiel:
| Position | Betrag |
|---|---|
| bisheriges Nettoeinkommen | 3.500 € |
| ausgezahltes Krankengeld | 2.600 € |
| Arbeitgeberzuschuss | 300 € |
| verbleibende Lücke | 600 € |
Ohne Arbeitgeberzuschuss würden 900 Euro fehlen.
Mit Zuschuss sind es nur noch 600 Euro.
Der rechnerische Krankentagegeldbedarf sinkt dadurch von etwa 30 Euro auf ungefähr 20 Euro täglich.
Deshalb lohnt sich ein Blick in deinen Arbeitsvertrag oder Tarifvertrag, bevor du einen Tagessatz festlegst.
Deine Fixkosten bestimmen nicht automatisch den versicherbaren Tagessatz
Natürlich solltest du wissen, was du monatlich zum Leben brauchst.
Miete oder Immobilienfinanzierung, Versicherungen, Auto, Kredite, Lebensmittel und Altersvorsorge verschwinden schließlich nicht, nur weil du krank bist.
Trotzdem kannst du beim Krankentagegeld nicht einfach alle Kosten zusammenzählen und anschließend irgendeinen entsprechend hohen Betrag versichern.
Die Leistung soll einen tatsächlichen Verdienstausfall ausgleichen.
Der maximal versicherbare Tagessatz richtet sich deshalb nach deinem Einkommen, bereits bestehenden Absicherungen und den jeweiligen Versicherungsbedingungen.
Deine Ausgaben helfen dir also zu beurteilen, wie problematisch eine Einkommenslücke für dich wäre.
Sie bestimmen aber nicht allein, wie viel Krankentagegeld du versichern kannst.
Auch vorhandenes Krankentagegeld mitrechnen
Vielleicht hast du bereits einen älteren Vertrag.
Dann solltest du nicht nur deine aktuelle Einkommenslücke berechnen, sondern auch prüfen, welcher Tagessatz bereits versichert ist.
Angenommen:
Deine heutige Lücke beträgt 900 Euro monatlich.
Du hast aus einem älteren Vertrag bereits 20 Euro Krankentagegeld täglich.
Damit sind rund:
20 Euro × 30 = 600 Euro
abgesichert.
Es bleiben noch etwa 300 Euro beziehungsweise rund 10 Euro täglich offen.
Gerade nach mehreren Gehaltserhöhungen kann so unbemerkt eine Unterversicherung entstehen.
Wie du einen bestehenden Vertrag nach einer Gehaltserhöhung anpassen kannst, hängt von den jeweiligen Tarifbedingungen und möglichen Nachversicherungsrechten ab.
Grundsätzlich solltest du deinen Tagessatz deshalb immer dann überprüfen, wenn sich dein Einkommen deutlich verändert.
Und wenn dein Einkommen wieder sinkt?
Auch das gehört zur Krankentagegeldversicherung.
Dein Einkommen kann nicht nur steigen.
Du kannst beispielsweise:
- deine Arbeitszeit reduzieren
- von Vollzeit in Teilzeit wechseln
- eine geringer vergütete Position übernehmen
- den Arbeitgeber wechseln
- dauerhaft weniger verdienen
Dann kann ein früher passender Tagessatz plötzlich zu hoch sein.
Krankentagegeld ist keine Versicherung, die unabhängig vom Einkommen beliebig hoch weiterlaufen soll.
Versicherer können deshalb Einkommensnachweise verlangen und bei einem dauerhaft gesunkenen Einkommen kann eine Anpassung notwendig werden.
Weitere Hintergründe zu Einkommensänderungen, Nachversicherung, Karenzzeiten und den Vertragsbedingungen findest du im ACIO Ratgeber zur Krankentagegeldversicherung.
Was gilt für privat krankenversicherte Angestellte?
Bei privat krankenversicherten Arbeitnehmern sieht die Rechnung anders aus.
Auch hier besteht grundsätzlich zunächst die Entgeltfortzahlung des Arbeitgebers.
Nach deren Ende gibt es aber kein gesetzliches Krankengeld einer gesetzlichen Krankenkasse.
Das private Krankentagegeld übernimmt deshalb eine wesentlich größere Aufgabe bei der Absicherung des laufenden Einkommens.
Zusätzlich sollte berücksichtigt werden, welche Beiträge zur privaten Kranken- und Pflegeversicherung während der Arbeitsunfähigkeit weitergezahlt werden müssen und welche Arbeitgeberleistungen wegfallen.
Der notwendige Tagessatz kann deshalb deutlich höher sein als bei einem vergleichbaren gesetzlich versicherten Arbeitnehmer.
Auch hier gilt:
Nicht schätzen, sondern die tatsächliche finanzielle Situation berechnen.
Vier Zahlen solltest du kennen
Wenn du wissen möchtest, wie viel Krankentagegeld du als Angestellter brauchst, solltest du diese vier Zahlen griffbereit haben:
- dein aktuelles monatliches Nettoeinkommen
- dein voraussichtliches ausgezahltes Krankengeld
- einen möglichen Krankengeldzuschuss des Arbeitgebers
- bereits bestehendes privates Krankentagegeld
Danach wird die Rechnung überraschend einfach.
Beispiel ohne bestehenden Vertrag
Nettoeinkommen: 3.400 Euro
Krankengeld und weitere Leistungen: 2.650 Euro
Lücke: 750 Euro
750 Euro ÷ 30 Tage = 25 Euro Krankentagegeld pro Tag
Beispiel mit bestehendem Vertrag
Nettoeinkommen: 3.400 Euro
Krankengeld und weitere Leistungen: 2.650 Euro
vorhandenes privates Krankentagegeld: 15 Euro täglich = rund 450 Euro monatlich
Gesamtlücke: 750 Euro
bereits abgesichert: 450 Euro
noch offene Lücke: 300 Euro
300 Euro ÷ 30 Tage = rund 10 Euro zusätzlicher Bedarf pro Tag
So lässt sich der eigene Bedarf wesentlich sinnvoller bestimmen als mit irgendeiner pauschalen Empfehlung.
Wie oft solltest du deinen Tagessatz überprüfen?
Ich würde das Krankentagegeld nicht jeden Monat neu berechnen.
Aber bei größeren Veränderungen solltest du einen Blick darauf werfen.
Vor allem bei:
- einer deutlichen Gehaltserhöhung
- einem Arbeitgeberwechsel
- einer Beförderung
- Wechsel zwischen Vollzeit und Teilzeit
- Veränderungen beim Krankengeldzuschuss
- neuen zusätzlichen Absicherungen
Gerade nach einer Gehaltserhöhung können bestimmte Tarife eine Erhöhung des Krankentagegeldes ohne erneute Gesundheitsprüfung ermöglichen.
Dafür gelten allerdings tarifabhängige Voraussetzungen und Fristen.
Deshalb solltest du mit der Prüfung nicht monatelang warten.
Mein Fazit: Dein Tagessatz ist keine Bauchentscheidung
Wenn du wissen willst, wie viel Krankentagegeld du als Angestellter brauchst, brauchst du keine komplizierte Versicherungsformel.
Du brauchst vor allem deine eigenen Zahlen.
Nettoeinkommen minus tatsächliche Leistungen im Krankheitsfall ergibt deine Einkommenslücke.
Diese Lücke durch 30 geteilt liefert dir einen ersten Anhaltspunkt für den benötigten Tagessatz.
Ob das am Ende 15, 25, 40 oder 50 Euro am Tag sind, ist völlig individuell.
Und genau deshalb würde ich niemals einfach einen pauschalen Betrag übernehmen.
Berechne zuerst deine persönliche Lücke.
Auf unserer Seite zur Krankentagegeldversicherung für Angestellte kannst du deinen Bedarf ermitteln und anschließend die für deine Situation passenden Möglichkeiten vergleichen.
Denn beim Krankentagegeld zählt nicht, was andere versichert haben.
Es zählt, was dir nach sechs Wochen Krankheit tatsächlich fehlt.